Schaltplan lesen: Kein Hexenwerk, sondern pure Logik
Der Plan hier gehört zu einer Zu- und Abluftanlage für ein Großlager. Was hängt dran? Zwei Dahlander-Ventilatoren, Brandschutzklappen, ein Heizregister, ein paar Zonenklappen und eine fette Siemens-S7-Steuerung, die den Takt vorgibt. In LogikStrom findest du das Ganze als Beispielprojekt „Lüftungsanlage Lagerräume“ und kannst dich selbst durchklicken. Die Bilder hier sind direkt aus diesem Projekt.
1. Das Papier: Rahmen und Schriftfeld
Guck dir mal den Rand an. Oben hast du Spalten (meist 1 bis 10) und an der Seite Zeilen (A bis H). Das ist wie Schiffe versenken: Jedes Bauteil hat eine Adresse, z. B. „Blatt 12, Spalte 4“. Unten im Schriftfeld steht, wo du gerade bist, z. B. „Hauptstrom Zuluftventilator“ auf „Blatt 12 / 54“. Da weißt du direkt, was Sache ist.
2. Der Hauptstrom: Immer schön von oben nach unten
Bleiben wir auf Blatt 12 („Hauptstrom Zuluftventilator“). Hier fließt der Saft genau so wie in der echten Welt: von der Einspeisung oben runter bis zum Motor unten.
- Der Start oben: L1, L2, L3 kommen an (und weiter unten der PE). Am Rand steht z. B. „/9.10“. Das heißt: Der Strom kommt von Blatt 9, Spalte 10.
- Der Aufpasser: Der Motorschutzschalter 1Q1 passt auf, dass die Leitung und der Motor nicht abrauchen.
- Das Schalten: Die Schütze 1K5, 1K6 und 1K7 machen die Arbeit. Wir haben hier einen Dahlander-Motor, der zwei Drehzahlen (720 und 1460 U/min) kann. Stufe 1 läuft über 1K5, Stufe 2 über 1K6, und 1K7 schließt dabei den Sternpunkt.
- Die Übergabe: An der Klemmleiste 1X1 geht's vom Schaltschrank ins Feld. Welches Kabel da dranhängt, steht unten drunter („KABEL NR. AL1/W01 …“).
- Sicherheit geht vor: Der Reparaturschalter 1S1 trennt den Motor direkt am Gerät. Ohne den brauchst du gar nicht erst anfangen zu schrauben.
- Das Ziel unten: Der Motor 1M1 mit seinen Klemmen 1U/1V/1W und 2U/2V/2W.
- Der Beifang rechts: Da hängen noch der Kaltleiter (1R1) vom Motor und ein Hilfskontakt vom Reparaturschalter. Die geben ihre Signale über Querverweise an andere Blätter weiter.
3. Das Buchstaben-Bingo: Was ist 1K5 oder 1Q1?
Jedes Bauteil hat einen Namen, damit alle vom selben Teil reden. Vorne eine Zahl, dann ein Buchstabe für die Bauteil-Art und hinten eine laufende Nummer.
| Name | Buchstabe | Was ist das? |
|---|---|---|
| 1Q1, 1Q2 | Q | Motorschutzschalter (die Aufpasser) |
| 1K5, 1K6, 1K7 | K | Schütze (die harten Arbeiter) |
| 1S1 | S | Reparaturschalter oder Taster |
| 1M1 | M | Motor (das, was sich dreht) |
| 1X1 | X | Klemmleiste (der Übergabepunkt) |
| 1R1 | R | Widerstand/Fühler (hier: Kaltleiter im Motor) |
| 1N3 | N | Regler/Relais (hier: Lüftertimerrelais) |
In LogikStrom kannst du dir übrigens aussuchen, wie das aussehen soll (z. B. 1K1 oder -K1). Das Programm zählt die Nummern dann brav selber hoch.
4. Wo steckt der Rest? Der Kontaktspiegel
Ein Schütz hat eine Spule (die zieht an) und Kontakte (die schalten). Die sind im Plan aber oft seitenweit auseinandergerissen. Damit du dir keinen Wolf suchst, gibt's unter jeder Spule den Kontaktspiegel.
Schau mal unter 1K5: Da steht „1/2 · 3/4 · 5/6“ und daneben „/12.1“. Heißt auf Deutsch: Die drei dicken Hauptkontakte sitzen auf Blatt 12, Spalte 1. Genau da haben wir sie vorhin beim Motor auch gesehen. „13/14 /17.8“ ist ein kleiner Hilfskontakt auf demselben Blatt in Spalte 8. Das Ganze funktioniert auch rückwärts: An den Kontakten steht dran, zu welcher Spule sie gehören.
Die eiserne Regel: Die Zahl hinter dem Schrägstrich ist immer „Blatt.Spalte“. Folg dem Weg, und du findest das Gegenstück.
5. Der Steuerstrom: Das Gehirn der Kiste
Auf Blatt 17 sind wir im Steuerstrom. Oben und unten hast du die Steuerspannung, dazwischen sitzt die Logik. Hier bestimmt das Lüftertimerrelais 1N3, wann welche Spule anziehen darf. Das Ding sorgt z. B. dafür, dass der Motor brav erst über Stufe 1 anläuft, bevor er in Stufe 2 geschaltet wird.
Das Prinzip ist pures „Wenn-dann“: Wenn der Kontakt schließt, kriegt die Spule Saft, zieht an und schließt wiederum ihre Kontakte im Hauptstrom. So simpel baut sich jede Schützschaltung auf.
6. Die fliegenden Leitungen: Querverweise
Du kriegst halt nicht alle Linien auf eine Seite. Wenn eine Leitung das Blatt verlässt, kriegt sie einen Pfeil und einen Namen, z. B. V106. Auf irgendeinem anderen Blatt kommt genau dieser Pfeil wieder an. Drunter steht wieder unser „Blatt.Spalte“-Code. In unserer Anlage gehen diese Signale meistens zur SPS. Die Steuerung will ja wissen: „Läuft Stufe 1?“ oder „Ist der Motorschutz geflogen?“.
7. So gehst du ran (Kurzfassung)
- Schlag das Inhaltsverzeichnis (Blatt 2) auf und such dir das richtige Blatt.
- Folg dem Strom von oben nach unten.
- Check zuerst den Hauptstrom (Was wird geschaltet?), dann den Steuerstrom (Warum und wann wird es geschaltet?).
- Nutze die Blatt.Spalte-Verweise, um Spulen und Kontakte zusammenzubringen.
- Wenn du mit dem Schraubenzieher am Schrank stehst: Schau in den Klemmenplan, wo du ansetzen musst.
Probier's in LogikStrom aus
In LogikStrom machst du einfach einen Rechtsklick auf einen Kontakt oder Verweis, klickst auf „Gehe zu“ und landest direkt beim Gegenstück. Mit Alt + Pfeil links springst du wieder zurück. Die Anlage von hier oben ist als komplettes Beispiel dabei. LogikStrom findest du bald auf Steam.
Weiterlesen: Wenn die Anlage mal streikt, hilft dir die Fehlersuche im Schaltschrank. Und wenn du dich fragst, welchen Plan du da eigentlich in der Hand hältst: Schaltplan, Verdrahtungsplan oder Anschlussplan?
Wichtig: Wenn du den Schaltschrank aufmachst und misst, solltest du wissen, was du tust (Elektrofachkraft!). Hier geht's nur darum, wie man das Papier liest. Mehr dazu unter Hinweise & Haftung.