Schaltplan lesen

Ein Stromlaufplan sieht auf den ersten Blick wild aus. Mit ein paar Regeln liest du ihn wie eine Landkarte – hier an einer echten Anlage: der Lüftung eines Großlagers mit 54 Blättern.

Der Plan unten gehört zu einer Zu- und Abluftanlage: zwei Dahlander-Ventilatoren, Brandschutzklappen, ein Heizgerät, Zonenklappen in den Lagern und eine Siemens-S7-Steuerung. Du findest ihn in LogikStrom als Beispiel „Lüftungsanlage Lagerräume“ und kannst alles selbst anklicken. Alle Bilder auf dieser Seite sind Blätter aus genau diesem Plan.

Lüftungsschema der Anlage: Außenluft, Klappe, Filter, Erwärmer, Zuluftventilator, Brandschutzklappe; darunter Fortluft, Abluftventilator, Filter und Brandschutzklappe
Erst das Bild im Kopf: Außenluft wird gefiltert, erwärmt und als Zuluft in die Lager geblasen; die Abluft geht zurück ins Freie. Der Schaltplan zeigt, wie das alles elektrisch gesteuert wird.

1. Das Blatt: Rahmen und Schriftfeld

Jedes Blatt hat oben Spalten (1 bis 10) und seitlich Zeilen (A bis H). Damit hat jeder Punkt im Plan eine Adresse, zum Beispiel „Blatt 12, Spalte 4“. Unten steht das Schriftfeld mit Anlage, Titel des Blattes und Blattnummer („12 / 54“). Der Titel sagt dir sofort, worum es geht: „Hauptstrom Zuluftventilator“.

2. Der Hauptstrom: von oben nach unten

Auf dem Blatt „Hauptstrom Zuluftventilator“ läuft die Energie von oben nach unten – so, wie man auch ein Schaltschrank-Innenleben liest:

Stromlaufplan Hauptstrom Zuluftventilator mit Motorschutzschaltern 1Q1 und 1Q2, Schützen 1K5, 1K6, 1K7, Reparaturschalter 1S1, Klemmleiste 1X1 und Motor 1M1
Blatt 12: Hauptstrom des Zuluftventilators. Zum Vergrößern anklicken.

3. Was bedeuten 1K5, 1Q1, 1S1?

Jedes Teil hat eine Kennzeichnung: eine Zahl, einen Buchstaben für die Art, und eine Nummer. So weiß jeder, der den Plan liest, immer, von welchem Teil die Rede ist – auf allen Blättern.

KennzeichnungBuchstabeBedeutung hier
1Q1, 1Q2QMotorschutzschalter
1K5, 1K6, 1K7KSchütze
1S1SReparaturschalter
1M1MMotor
1X1XKlemmleiste
1R1RKaltleiter (Temperaturfühler im Motor)
1N3NLüftertimerrelais

In LogikStrom stellst du ein, welche Schreibweise du magst (zum Beispiel 1K1 oder -K1). Die Nummern vergibt das Programm selbst und zählt sie nach deinen Regeln weiter.

4. Schütz und Kontakte: der Kontaktspiegel

Ein Schütz besteht aus zwei Teilen, die weit auseinander gezeichnet sein können: die Spule (sie zieht an) und die Kontakte (sie schalten). Damit du sie nicht suchen musst, steht unter jeder Spule der Kontaktspiegel: wo liegen die Kontakte dieses Schützes?

Stromlaufplan Ansteuerung Zuluftventilator mit Lüftertimerrelais 1N3 und den Schützspulen 1K5, 1K6 und 1K7 samt Kontaktspiegel
Blatt 17: Die Spulen 1K5, 1K6 und 1K7 unten in der Mitte. Darunter stehen ihre Kontakte mit Blatt und Spalte.

Unter der Spule 1K5 steht zum Beispiel „1/2 · 3/4 · 5/6“ mit „/12.1“: Das sind die drei Hauptkontakte auf Blatt 12, Spalte 1 – genau dort, wo der Motor geschaltet wird. „13/14 /17.8“ ist ein Hilfskontakt auf demselben Blatt in Spalte 8. Umgekehrt steht unter jedem Kontakt, zu welcher Spule er gehört, zum Beispiel „1K5 /17.6“ – also Spule 1K5 auf Blatt 17, Spalte 6.

Merksatz: Die Zahl hinter dem Schrägstrich ist immer „Blatt.Spalte“. Wer ihr folgt, findet das Gegenstück.

5. Steuerstrom: das Gehirn der Anlage

Auf Blatt 17 siehst du die Steuerung des Ventilators: oben und unten die Steuerspannung (hier mit den Bezeichnungen TL1.1, S7/1 und TN1.1), dazwischen das Lüftertimerrelais 1N3 und die Spulen der Schütze. Das Relais sorgt dafür, dass bei direkter Wahl von Stufe 2 der Ventilator zuerst in Stufe 1 anläuft. Der Text auf dem Blatt erklärt die Funktion in Worten.

Im Steuerstrom läuft der Strom ebenfalls von oben nach unten, aber die Bauteile sind „Wenn-dann“: Wenn dieser Kontakt schließt, zieht jene Spule an, und dadurch schaltet im Hauptstrom ein Schütz. Das ist das Prinzip jeder Schützschaltung – ob Selbsthaltung, Wendeschütz oder Stern-Dreieck.

6. Die kleinen Pfeile: Verweise zwischen den Blättern

Nicht jede Leitung passt auf ein Blatt. Deshalb enden Signale an einem Pfeil mit einem Namen, zum Beispiel V106 oder V108. Auf einem anderen Blatt gibt es den Pfeil mit demselben Namen in der Gegenrichtung. Darunter steht, wo das Gegenstück zu finden ist („/48.6“ heißt Blatt 48, Spalte 6). In diesem Plan führen sie zur SPS: Auf Blatt 17 melden die Kontakte 1K5 und 1K6 „Stufe 1 läuft“ und „Stufe 2 läuft“ an die Eingänge der Steuerung, und die Ausgänge der SPS schalten die Stufen an.

Mit demselben Prinzip hängen auch die Potenzialschienen oben und unten zusammen: L1, L2 und L3 laufen mit Hinweis „/9.10“ oder „/14.1“ von Blatt zu Blatt weiter.

7. Dein Weg durch einen großen Plan

  1. Lies das Inhaltsverzeichnis (Blatt 2) und such das Blatt zum Gerät oder Signal.
  2. Verfolge auf dem Blatt die Energie von oben nach unten.
  3. Verstehe zuerst den Hauptstrom (was wird geschaltet?), dann den Steuerstrom (wer schaltet es, und wann?).
  4. Folge den Blatt.Spalte-Angaben zu Kontakten, Spulen und Verweisen.
  5. Schau im Klemmenplan nach, was an welcher Klemme angeschlossen ist, wenn du am Schrank stehst.

Selbst ausprobieren

In LogikStrom klickst du mit der rechten Maustaste auf einen Kontakt, eine Spule oder einen Verweis, wählst „Gehe zu“ und springst direkt zum Gegenstück. Mit Alt + Pfeil links kommst du zurück. Der Plan oben ist als Beispiel dabei. LogikStrom kommt bald auf Steam.

Wichtig: Arbeiten an elektrischen Anlagen gehören in die Hände einer Elektrofachkraft. Dieser Text erklärt, wie man Pläne liest, er ersetzt keine Ausbildung und keine Prüfung vor Ort. Mehr dazu unter Hinweise & Haftung.